Rutschfest durch den Winter

Schnee, Eis und Matsch machen Pferd und Reiter im Winter häufig zu schaffen. Mit speziellem Winterbeschlag kann man die Winteridylle trotzdem rutschfrei genießen.

Es herrscht friedliche Stille. Die Landschaft ist von einer dicken weißen Schneeschicht bedeckt. Nur wenige Spuren von Wildtieren finden sich am frischen Neuschnee. Von den Nadelbäumen rieseln immer wieder kleine Schneeladungen herunter und bleiben in der Mähne des Pferdes hängen. Es ist ein nahezu perfekter Moment, ein Ritt mit dem Lieblingsvierbeiner durch eine winterliche Traumlandschaft.

So idyllisch wie nun gezeichnet kann der Winter tatsächlich sein, ist er aber häufig nicht. Viel eher machen Eis, Matsch und in den Hufen aufgestollter Schnee Pferd und Reiter zu schaffen.

Niemand würde bei einem solchen Wetter auf die Idee kommen mit Sandalen oder gar barfuß das Haus zu verlassen. Auch Pferde benötigen im Winter ein anderes Schuhwerk. Eine Ausnahme bilden natürlich Pferde, die nur in der Halle gearbeitet werden und kaum im Freien sind. Hier wäre eine spezieller Winterbeschlag wohl überflüssig.

Anders sieht es schon aus, wenn das Pferd viel Zeit auf der Koppel verbringt oder gar häufig ausgeritten wird. Lässt es die Hufqualität zu, sind keine speziellen orthopädischen Beschläge nötig und reitet man eher selten aus, bietet es sich an, den Vierbeiner im Winter für ein bis zwei Beschlagsperioden von den Eisen zu befreien. Vorsicht ist dann aber bei Ausritten geboten. An eisigen Stellen kann das Pferd nicht einsinken. Durch die natürliche Oberflächenbeschaffenheit der Hufunterseite gerät es leicht ins Rutschen. Vor allem bei oberflächlich leicht aufgetautem Boden wirkt die Bodenschicht wie reinste Schmierseife.

Will man das Pferd im Winter also regelmäßig im Freien arbeiten, ist ein spezieller Winterbeschlag unumgänglich. Bei normalem Beschlag kommt es bei Schnee zwischen den Hufeisenschenkeln zur Aufstauung des Schnees. Wird dieser nicht entfernt läuft das Pferd vergleichsweise auf High Heels. Ein sicheres Laufen und normales Auffußen werden dadurch unmöglich. Dieser Aufstollung kann man mit so genannten Grip-Einlagen entgegenwirken. Die Gummieinlagen werden zwischen Huf und Eisen gelegt und normal mit aufgenagelt. Die Gummieinlage ist dann dem inneren Rand des Eisens angepasst. Beim Auffußen auf Schnee wird der Gummi zusammengedrückt, beim Abheben des Fußes vom Boden drückt der Gummi den eingeballten Schnee durch seine Eigenspannung wieder aus dem Huf heraus.

Für zusätzliche Trittsicherheit bei rutschigen Bodenverhältnissen können zudem an den Eisenschenkeln Hartmetallstollen angebracht werden. Der passende Beschlag sollte in Absprache mit dem Huschmied auf jeden Fall individuell auf das jeweilige Pferd  angepasst werden!

Let’s get fit!

Nach der Saison ist vor der Saison. Die Arbeit im Winter ist die Basis für Erfolge im Sommer. Doch worauf kommt es dabei an?

Der Grundstein für den Sommer wird im Winter gelegt. Die Turniersaison ist vorüber und der Fokus liegt schon auf dem kommenden Wettbewerbsjahr. In der turnierfreien Zeit gilt es, sich und das Pferd fit zu halten und bestmöglich auf die neue Saison vorzubereiten. Wichtig ist es, zwar den Trainingsschwerpunkt auf die eigenen Schwächen zu legen, sich und seinem Partner aber auch genügend Ruhe und Entspannung nach einer anstrengenden Saison zu gönnen. Sture und eintönige Winterarbeit braucht niemand. Ein lockeres abwechslungsreiches Training fördert Motivation und Leistungsbereitschaft des Pferdes. Und schließlich kann nur ein gesundes und leistungsbereites Pferd auch Bestleistungen erbringen.

Daher keinesfalls an immer gleichen Lektionen festbeißen! Vielmehr kann man diese einfach immer wieder kurz in ein lockeres Training einfließen lassen. Pferde lieben es, Neues zu versuchen. Daher ist Kreativität gefragt. Und wann könnte man dieser im Training besser freien Lauf lassen, als im Winter. Geht mit dem Pferd Spazieren, longiert es, schult mit Cavalettiarbeit Takt und Konzentration, versucht euch in Freiarbeit oder lasst auf einem Ausritt einfach gemeinsam die Seele baumeln.

Natürlich gilt es in Vorbereitung auf die nächste Turniersaison auch an neuen Lektionen zu feilen und Unsicherheiten auszumerzen. Lasst euch dabei von eurem Trainer unterstützen und stellt euch ein lockeres aber effizientes Trainingsprogramm zusammen. Der Winter bietet außerdem Zeit, einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Viele Reitställe und namhafte Trainer bieten gerade in der turnierfreien Zeit interessante Kurse und Lehrgänge. Diese sind ein einfaches Mittel, um seine Perspektive zu erweitern und dem eigenen Training einen neuen Touch zu verleihen.

 Ideen für ein cooles Wintertraining findet ihr hier:


Trainer und Ausbildungsställe in eurer Nähe findet ihr übrigens auf der Pferdesport-Online-App. Einem erfolgreichen Wintertraining steht damit nichts mehr im Wege!


Reiterwissen: Es werde Licht!

Der Winterbeginn naht, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Dennoch wollen viele die Freizeit mit dem Pferd in der Natur zu genießen. Auf welche Ausrüstung sollte man setzten, wenn man sich mit dem Pferd in der Dämmerung auf den Weg macht?

Ein längerer Ausritt im Herbst kann leicht bis nach Einbruch der Dämmerung dauern. Viele, vor allem berufstätige Reiter, wollen trotzdem nicht auf den Freizeitspaß mit dem vierbeinigen Partner verzichten. Damit der Ausritt aber keine Gefährdung für Reiter und Pferd oder gar andere Verkehrsteilnehmer wird, sollte man auf eine ausreichende Sicherheitsausrüstung achten. Neben der normalen Sicherheitsausrüstung von Pferd und Reiter (Helm etc.) sind in der Dämmerung reflektierende Artikel unverzichtbar. Von einer reflektierenden Sicherheitsweste für den Reiter bis hin zu einer großen Auswahl an Leuchtartikeln fürs Pferd ist mittlerweile in Reitsportfachgeschäften alles erhältlich.

Mehr ist in diesem Fall auf jeden Fall mehr – je größer die reflektierende Fläche ist, desto besser ist man im Straßenverkehr sichtbar und beugt Unfällen vor. Selbst große Objekte wie ein Pferd sind in der Dämmerung für den Autofahrer nur schlecht sichtbar. Qualitativ hochwertige Leuchtartikel reflektieren auf eine Distanz von bis zu 120 Metern. Autofahrer werden damit frühzeitig auf Pferd und Reiter aufmerksam und können dementsprechend reagieren.

Beim Pferd sind besonders Leuchtgamaschen empfehlenswert. Während der Körper des Pferdes oft erst sehr spät vom Scheinwerferlicht erfasst wird, kommen die Beine des Pferdes schon viel früher in die Reichweite des Lichtkegels. Hat man aus einem Grund nicht vier reflektierende Gamaschen zur Verfügung, sollte man zumindest das linke Beinpaar mit Leuchtgamaschen versehen.

Eine reflektierende Nierendecke macht den gesamten Pferdekörper besser sichtbar. Damit auch die Vorderseite des Pferdes für entgegenkommende Autos beleuchtet ist, sind Leuchtstreifen für Vorderzeug, Zaumzeug und Zügel erhältlich.

Ein absolutes Muss – weil gesetzlich in §79 StVO verankert – ist die Kennzeichnung durch eine „hellleuchtende Laterne“ an der linken Seite. Für den Begriff Laterne gibt es in der StVO keine genauere Regelung. Wichtig ist nur, dass die Lampe Pferd und Reiter klar erkennbar macht. Eine Stieifellampe oder eine am Steigbügel befestigte Leuchte sind ausreichend. Bei nicht-Einhaltung der StVO drohen dem Reiter Geldstrafen bis zu 726 Euro.

Damit man auch sieht, wohin man reitet und welche eventuellen Hindernisse – wie Wurzeln – am Boden lauern, empfiehlt es sich eine Stirnlampe zu tragen. In den meisten Reitsportfachgeschäften ist eine Auswahl an Helmlampen erhältlich. Einige Lampen können ganz einfach an der Krempe des Helms befestigt werden. Vorsicht nur beim ersten Tragen der Lampe. Man sollte das Pferd zunächst vom Boden aus mit der neuen Lichtquelle vertraut machen. Es könnte durchaus passieren, dass sich das Pferd beim ersten anknipsen vom Rücken aus erschreckt.

Mit der richtigen Ausrüstung kann man  der dunklen Winterzeit trotzen und selbst nach Einbruch der Dunkelheit schöne Stunden mit dem Pferd verbringen. Und eine verschneite Winterlandschaft hat bei Mondlicht ihren ganz eigenen Reiz…